Pädagogisches Konzept

für den Waldkindergarten Sehnde

Ein einziges Blättchen Erfahrung ist mehr wert als ein ganzer Baum voll guter Ratschläge.
  1. Vorwort
  2. Rahmenbedingungen
    1. Umgebung
    2. Organisation
    3. Wozu dient der Besuch des Kindergartens
    4. Voraussetzungen für den Besuch des Waldkindergartens
  3. Die pädagogische Arbeit
    1. Unser Bild vom Kind
    2. Situativer und ganzheitlicher Ansatz
    3. Die Entwicklungsmöglichkeiten und -bedingungen der Kinder im Waldkindergarten
    4. Zielsetzung
    5. Schulreife
    6. Regeln und Rituale
    7. Wahrnehmendes Beobachten
    8. Begleitung der neuen Kinder und ihrer Eltern
    9. Kontakt zu ehemaligen Waldkindern
    10. Gesundheit und Ernährung
  4. Aktivitäten
    1. Tagesablauf
    2. Angebote und Ausflüge
    3. Programme
  5. Elternarbeit
  6. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
  7. Schlusswort

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1. Vorwort

Wenn du mit anderen ein Schiff bauen willst, so beginne nicht, mit ihnen Holz zu sammeln, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.
Antoine de Saint-Exupéry

Untersuchungen an den seit vielen Jahren bestehenden dänischen Waldkindergärten ergaben, dass Waldkinder gesünder und ausgeglichener sind, mehr Appetit haben und besser schlafen, mehr Interesse an der Natur zeigen, selbständiger sind, ihr Selbstvertrauen ausgeprägter ist und sie sehr hilfsbereit sind. Ihre Grob- und Feinmotorik ist gut entwickelt und sie können sich konzentrieren. Dieses Wissen um die Vorteile motiviert viele Eltern, ihre Kinder in einem Waldkindergarten anzumelden. Unsere Einrichtung ist eine Alternative zu herkömmlichen Kindergärten, die allen Sehnder Kindern offen steht und den
Anforderungen des Niedersächsischen Orientierungsplans für Bildung
und Erziehung entspricht.
”Die Natur ist der ultimative Entwicklungsraum für Kinder. Kein Kindergarten, kein Kinderzimmer und keine Turnhalle kann eine so optimale Konzentration von Erfahrungsmöglichkeiten bieten wie ein Wald.” – so das Fazit einer Untersuchung von Thomas Armbruster in der Zeitschrift ”mobile” aus dem Jahr 2003.
Im März 1999 gab es in Sehnde die erste Informationsveranstaltung über Waldkindergärten. Unser Waldkindergarten nahm seinen Betrieb mit der Schneckengruppe im September 2000 auf.

2. Rahmenbedingungen

2.1. Umgebung

Sehnde ist ein Mittelzentrum mit ca. 23.000 Einwohnern im Südosten Hannovers. Die aufstrebende Stadt liegt an der Kreuzung der stark befahrenden Straßen B65 und B443. Die Stadt ist sehr bemüht, Waldflächen zur Erholung zu bieten. Das im Landschaftsschutzgebiet ”Ladeholz” mit 34 ha Größe liegende Waldstück gehört ihr zu über 40%. Es handelt sich um einen Laubwald mit Altholzbeständen, feuchten Senken und Gräben und einer gut ausgebildeten Strauch- und Krautschicht, wobei im Frühling der Waldboden mit Buschwindröschen bedeckt ist. Hier ist die Schneckengruppe zu Hause. Der Wald wird an drei Seiten durch Wohnbebauung begrenzt, und in einiger Entfernung befindet sich der Mittellandkanal. An die vierte Seite grenzt eine Mergelkippe (von den Kindern liebevoll „Schneckenberg“ genannt), auf der sich eine Wiese mit hohen Gräsern („Schnick-Schnack-Wiese“), Dornenbüschen und Senken („Dinonest“) befinden. Außerdem grenzt an den Wald ein Teich, der einseitig durch einen Trampelpfad mit der Fußballwiese verbunden ist.
Das Betreten des Waldes ist naturgemäß mit waldspezifischen Gefahren verbunden. Die Eltern nehmen diese für ihr Kind in Kauf. Die Nutzung des Waldes als Aufenthaltsort für den Kindergarten begründet jedoch eine besondere Verkehrssicherungspflicht. Der Trägerverein sorgt daher in einem Teil des Waldes für die nötige Sicherheit. Hier findet der “Betrieb” des Kindergartens formal statt. Den Zustand überprüft ein Elternteil regelmäßig gemeinsam mit dem zuständigen Förster (s. a. “Elterndienste”).

2.2. Organisation

Die Waldkindergartengruppe besteht aus fünfzehn drei- bis sechsjährigen Jungen und Mädchen. Die Kinder treffen sich montags bis freitags zwischen 8.00 Uhr und 8.45 Uhr am Waldrand auf dem Spielplatz an der Mozartstraße und werden dort ab 12.45 Uhr bis 13.00 Uhr abgeholt.
Auf diesem Spielplatz steht dem Waldkindergarten ein Bauwagen als Schutz zur Verfügung.  In der Nähe gibt es eine beheizbare Unterkunft, die lediglich bei extremer Wetterlage aufgesucht  wird. Der Spielbereich und tägliche Aufenthaltsort für die Schneckenkinder ist der Wald (sowie seine natürliche Umgebung). Er wird somit zu allen Jahreszeiten und  mit den ständig wechselnden Wetterverhältnissen erlebt und erfahren.
Im Waldkindergarten arbeiten stets 2 Erzieherinnen. Eine dritte Erzieherin gewährleistet die Betreuung der Kinder, wenn eine der Erzieherinnen wegen Krankheit oder Fortbildung abwesend ist. In der übrigen Zeit ist sie regelmäßig an 1 bis 2 Tagen in der Woche anwesend – so bleibt sie den Kindern vertraut, und sie unterstützt die beiden Kolleginnen.
Der Waldkindergarten ist zwischen Weihnachten und Neujahr sowie circa zwei bis drei Wochen in den Sommerferien geschlossen. Weitere Schließtage (z. B. in der Karwoche oder an Brückentagen werden in Absprache mit der Elternvertretung festgelegt.

2.3. Wozu dient der Besuch des Kindergartens

Zweck des Kindergartens ist es, den Kindern entsprechend ihrem Alter (von 3 bis 6 Jahren) Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Wir geben ihnen die Gelegenheit, in einer Gruppe von etwa gleichaltrigen Kindern ein Stück altersgemäße Lebenstüchtigkeit und Welterfahrenheit zu gewinnen. Dies betrifft das Kind als Individuum und auch als Teil der Gruppe (“Sozialkompetenz”).

2.4. Voraussetzungen für den Besuch des Waldkindergartens

Kinder lernen fortwährend, sich in ihrem Umfeld zu orientieren. Damit dies gelingt, brauchen sie feste “Orientierungspunkte”. Wir bitten daher alle zukünftigen Eltern, dieses Konzept sorgfältig zu lesen und zu prüfen, ob sie die hier dargelegten Ansichten teilen. Offene Fragen und kritische Punkte sollten besprochen werden, bevor das Kind aufgenommen wird.
Mit der Aufnahme des Kindes schließen Eltern und Erzieherinnen eine „Erziehungspartnerschaft“. Gemeinsam begleiten beide die Entwicklung des Kindes. Die Zusammenarbeit soll von gegenseitiger Wertschätzung, einem regen Austausch und einem gemeinsamen Blick auf das Kind geprägt sein.

3. Die pädagogische Arbeit

3.1. Unser Bild vom Kind

Wir betrachten das Kind als vollständiges Wesen, das seine Entwicklung selbst steuern und gestalten kann, wenn man ihm die Möglichkeiten dazu einräumt. Das Kind nimmt sich aus dem Wirken in seiner Umwelt, was es zu seiner Entwicklung benötigt. Es ist von Natur aus bestrebt, die Welt zu entdecken, zu erforschen und zu verstehen, um Kompetenzen zu erwerben. Diese vom Kind ausgehende Selbstbildung muss nicht motiviert werden. Die gefühlsmäßige und geistige Verarbeitung der Begegnung mit sich und der Welt muss selbst erfahren werden und kann nicht abgenommen werden. Das Kind ist mit einem enormen Reichtum an Entdeckerfreude, Neugier, Offenheit und Begeisterungsfreude ausgestattet und kann sich damit, wenn es der Welt begegnet, alles aneignen. Als Erzieherinnen streben wir danach, die Kinder zu verstehen, in der Erweiterung ihres Erfahrungshorizontes zu begleiten. Dabei orientieren wir uns an ihren vorhandenen Stärken. Sie bekommen Raum, ihre eigenen Wege zu finden und den Prozess des Forschens und Lernens auszuleben. Nur in der eigenen Bewältigung von Situationen kann das Kind Kompetenzen entwickeln, die ihm auf seinem weiteren Lebensweg helfen.

„Dabei macht es eine beglückende Erfahrung mit sich selbst, mit seiner eigenen Lust am selbständigen Entdecken und Gestalten. Und diese Lust, die es dabei erfährt, wird tief in seinem Gehirn verankert. Kinder, die so etwas erleben dürfen, sind glücklich, nicht weil sie eine besondere Leistung erbracht haben und dafür Lob und Anerkennung bekommen, sondern weil sie sich selbst in ihrer eigenen Lust am Tätig- und Lebendigsein erfahren.
(aus: H. Renz-Polster, G. Hüther: „Wie Kinder heute wachsen“)

Die Entwicklung des Kindes betrachten wir als einen Reifeprozess, der zwar unterstützt, aber nicht durch sogenannte „Förderung“ beschleunigt werden kann.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
Afrikanisches Sprichwort

3.2. Situativer und ganzheitlicher Ansatz

In unserem Waldkindergarten findet ganzheitliche Erziehung statt. Das heißt, das einzelne Kind wird als ganze Persönlichkeit angesehen, mit all seinen individuellen Neigungen, Interessen, Stärken, Fertigkeiten, seinem Gefühlsleben und seinem sozialen Bindungen. Diese zu unterstützen ist unser Ziel.  Der Begriff „ganzheitlich” orientiert sich etwa an der Aufteilung in „Kopf, Herz und Hand” nach Pestalozzi; er hat bei uns ausdrücklich keinen esoterischen Hintergrund. Der „Kopf” steht für den Verstand, die Phantasie, die Sprache. Das Herz steht für die Gefühle und das Mitgefühl mit anderen. Die Hand steht für den eigenen Körper.
Wir ErzieherInnen sind nicht ausschließlich VermittlerInnen von Techniken, Fertigkeiten und Kenntnissen. Wir wollen die Autonomie des Kindes wahren. Für uns ist es wichtig, dass Kinder selbst Erfahrungen machen, selbst Entdecken und Experimentieren. Wir wissen, dass es schwierig ist, Leistung sichtbar zu machen, wenn man eine Umgebung bietet, in der sich Kinder selbst Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten erschließen können. (Wie bekomme ich ein Seil über den hohen Ast des Baumes, wie befestige ich es, damit ich daran hochsteigen kann?) Das einzelne Kind gestaltet diese Situation entsprechend seinem Entwicklungsstand. Dem einen Kind reicht es vielleicht schon, das Seil hochzuwerfen, das andere möchte es über den Ast bekommen, das dritte möchte es dann vielleicht perfekt verknoten und dann hochklettern. Die Kinder werden in vielen kleinen Schritten unterstützt, damit sie zu dieser Übersicht und dieser Selbständigkeit gelangen können. Solche Handlungen sind wichtige Grundsteine zur selbstgesteuerten Bewältigung von Lebenssituationen.
Die Beobachtung der Kinder steht in unserer Arbeit an erster Stelle, stets verbunden mit der Fragestellung: Was will das Kind mit seinem Spiel, seinem Verhalten, seinen Äußerungen kundtun? Wie kann ich dem Kind Hilfestellung geben – nach dem Motto der Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun!“?
Bei dieser Form der Arbeit erleben wir selten Kindergartenmüdigkeit, da der Tagesablauf nicht vorhersehbar ist. In der Regel kommen die Kinder gern, weil sie sich täglich neuen Herausforderungen stellen, eigene Pläne schmieden oder sich einfach nur ihrer eigenen Spontaneität hingeben können.

3.3. Die Entwicklungsmöglichkeiten und -bedingungen der Kinder im Waldkindergarten

Der Waldkindergarten bietet dem Kind die Möglichkeit, sich mit all seinen Sinnen auf die Umwelt einzulassen. Durch sie nimmt es Kontakt zu Lebewesen und Dingen auf: Es kann sie sehen, hören, befühlen, schmecken, riechen und sich mit ihnen bewegen.
Die Stille und Weitläufigkeit des Waldes und seine vielfältige Umgebung entsprechen dem Bedürfnis des Kindes nach Aktivität und selbständigem Handeln. Dadurch, dass die Kinder im Waldkindergarten kein vorgefertigtes Spielzeug (mit Ausnahmen, s. u.) zur Verfügung haben, schöpfen sie ihre phantasievollen Ideen aus dem, was ihnen die Natur zu den unterschiedlichen Jahreszeiten bietet. Wir geben den Kindern die Möglichkeit, ihren natürlichen Entdeckerdrang auszuleben.
Wir lehnen Spielzeug nicht kategorisch ab. Wir meinen, dass Spielzeug in einem Waldkindergarten nicht notwendig ist. Es kann aber die Phantasie und die Kreativität anregen oder bei der Entwicklung motorischer Fähigkeiten hilfreich sein. Deshalb haben wir im Bauwagen einige geeignete Gegenstände, die wir herausholen, wenn die Situation es ergibt: Seile, Ball, Kreide, eine Tellerschaukel sowie einfaches Werkzeug wie Hammer oder Säge, mit dem die Kinder totes Holz bearbeiten können.

3.4. Zielsetzung

Die Zielsetzung umfasst folgende Bereiche:

  • Emotionale Entwicklung
  • Soziales Lernen
  • Körper – Bewegung – Gesundheit
  • Kognitive Fähigkeiten

Die Überschriften in diesem Abschnitt korrespondieren mit denen im “Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder”.

3.4.1. Emotionale Entwicklung

Gefühle

Sich selbst als willkommen und wichtig zu erleben, den eigenen Wert zu erkennen, sich seiner sicher zu fühlen, sind Grundlagen für das Miteinander in unserem Waldkindergarten. Überschaubare Strukturen wie der Gruppenverband, ein wertschätzender Umgang miteinander, eine annehmende Atmosphäre, sowie auch verlässliche Bindungen zwischen Kindern und ErzieherInnen sind dabei von großer Wichtigkeit.
Uns ist wichtig, dass die Kinder in unserem Waldkindergarten den Umgang mit Gefühlen lernen. Dazu zählen die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und die Fähigkeit, diese durch Mimik, Gestik und Sprache auszudrücken. Nur wenn die Kinder in der Lage sind, eigene Gefühle bewusst zu erleben, sind sie auch fähig, sich in andere einzufühlen.
Beispiel: Ein Kind hat sich etwas gebaut, und ein anderes hat es achtlos zerstört. Darüber ist das eine Kind traurig, und es darf diese Trauer auch offen zeigen (eigene Gefühle wahrnehmen). Ziel ist es auch, dass das andere Kind sich in die Trauer einfühlt, anstatt sich zu rechtfertigen (Einfühlungsvermögen). Vielleicht gelingt es ihm sogar, beim Aufbau des Zerstörten mitzuhelfen (Sozialverhalten).
Die Erzieherinnen helfen dem Kind, sich seine eigenen Gefühle und die der anderen Kinder bewusst zu machen.
Jedes Gefühl ist erwünscht und soll nicht unterdrückt werden!

Aggressionen

Wie gehen wir im Waldkindergarten mit aggressivem Verhalten um?
Entstandene Aggressionen sollten aus der jeweiligen Lebenssituation heraus betrachtet und verstanden werden. Sie sind nicht nur negativ zu bewerten, sondern stellen eine momentane Ausdrucksmöglichkeit und den Versuch dar, Grenzen zu setzen und zu erfahren. Die Kinder versuchen im Spiel, ihre persönlichen Konflikte und Probleme zu meistern. In ihrer Phantasie produzieren sie Konfliktlösungen und befreien sich symbolisch von ihren Aggressionen. Spielerische Ausdrucksformen führen zu innerer Entspannung.
Beispiel: Ein beliebtes Spiel der Waldkindergartenkinder besteht darin, anderen die Mütze vom Kopf zu „mopsen“. Manche Kinder finden dieses Spiel sehr lustig und machen mit. Es gibt andere Kinder, die während des Spiels klar äußern, wann sie genug haben, und wieder andere, die durch aggressives Verhalten (Treten, Schreien, Beißen, Schlagen) das Spiel beenden wollen. Bei diesem Spiel geht es manchen „Mützendieben“ um den Spaß, während andere die Grenzen überschreiten, indem sie die Äußerungen der Kinder ignorieren.
Im Umgang mit aggressivem Verhalten versuchen wir nur dann einzugreifen, wenn die gesetzten Grenzen überschritten werden, z.B. bei Gefährdung der Kinder. Anstatt die Aggressionen zu unterdrücken, ist es uns wichtig, den Grund für das Verhalten des Kindes zu erfahren und zu verstehen, um ihm Lösungen anbieten zu können und so seine Kompromissfähigkeit zu fördern.
Uns ist es wichtig, dass Kinder lernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, anstatt in Konfliktsituationen den Schuldigen zu suchen.

Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse

Um sich auf einen Vormittag im Waldkindergarten einlassen zu können, sollten die Kinder lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Zum Wohlbefinden gehört unter anderem, dass die Kinder angemessen auf die Wetterbedingungen reagieren. („Fühlt mal – ist euch warm oder kalt? Fühlt ihr noch Regen auf eurer Haut?“) Es gehört aber auch dazu, seine Körperempfindungen kennen zu lernen. („Läuft dir die Nase? – Hast du Durst? – Musst du Pipi?“). Auch die Schmerzwahrnehmung ist ein wichtiger Bereich. (Z.B. warnen schmerzhafte Berührungen an einer Brennnessel das Kind vor einer nochmaligen Berührung mit der Haut). Zu ihrem Wohl gehört auch, dass die Kinder sich in ihrer Umgebung sicher bewegen können. Da sie sich auf verschiedenen Untergründen bewegen, sollten sie deren Beschaffenheit kennen. (Ist der Baum beim Klettern glatt oder rau? Ist die Wiese zum Rennen nass oder trocken?)

3.4.2. Soziales Lernen

Auch im Waldkindergarten finden sich die Kinder zusammen, teilen sich ihre verschiedenen Erwartungen mit, planen ihre Spiele und Vorhaben gemeinsam, tragen ihre Konflikte aus und finden Kompromisse. Die Gruppe bildet ein eigenständiges soziales Beziehungsgefüge und gleicht mögliche Erfahrungsdefizite unter den Kindern aus. So bietet der Wald besonders günstige Bedingungen, gegenseitiges Vertrauen und wechselseitige Verlässlichkeit auszubilden, sowie einen festen Zusammenhalt zu entwickeln.

Welche Entwicklungschancen bietet die alters- und geschlechtsgemischte Gruppe?

Die altersgemischte Gruppe ist ein „Sammelbecken“ unterschiedlicher Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten. Jeder kann von jedem etwas lernen. Braucht beispielsweise ein Vierjähriger Hilfe beim Bau einer Seilleiter, kann ihm eine Sechsjährige die notwendigen Handgriffe dazu zeigen.
Von anderen Kindern anerkannt zu werden, seinen Platz in der Gruppe zu finden und Freunde zu haben, gibt Sicherheit, macht selbstbewusster und stärkt das Selbstwertgefühl. Kommt man als Neuling in die Gruppe, ist es nicht selbstverständlich, dass man bei den Spielen der anderen gleich mitmachen darf. Doch irgendwann traut man sich zu fragen, oder man wird von den anderen dazu angeregt. Die Beziehungen der Drei- bis Sechsjährigen sind weniger durch Konkurrenz geprägt als bei älteren Kindern, und der Leistungsvergleich steht nicht so im Vordergrund. Bei Wettläufen kommt auch der Jüngste mit einem strahlenden Gesicht an, wenn er das Ziel überhaupt erreicht hat. Im Kindergartenalltag wechseln sich Mitverantwortung, Aufeinander-angewiesen-Sein, Hilfegeben und -nehmen miteinander ab. Wie selbstverständlich helfen sich die Kinder gegenseitig beim Rucksackpacken, achten darauf, dass nichts liegen bleibt und warten am Haltepunkt auf den Langsamsten, damit keiner verloren geht. Die Kleinen eifern den Großen nach und orientieren sich an ihnen. Die Älteren festigen ihr Wissen und ihre sprachlichen Fähigkeiten, indem sie den Jüngeren etwas erklären, zeigen oder vormachen.
Die jüngeren und älteren Kinder haben sehr verschiedene Bedürfnisse und Interessen und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit.
Der Wald bietet Kindern ferner die Möglichkeit, geschlechtsspezifische Rollenmuster abzubauen. Mädchen können genauso wild sein wie Jungen, klettern auf Bäume, suhlen sich im Matsch usw. Auch Jungen basteln Blumenkränze oder schminken sich mit Matsch.
Zum sozialen Lernen gehört auch, eigene Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzustellen. So kann auf einem Ast nicht geklettert werden, wenn darunter jemand sitzt und schnitzt. Wenn es darum geht, welchen Weg wir im Wald wählen, ist demokratisches Handeln gefragt. So wird geguckt, für welche Richtung sich die meisten Kinder entschieden haben, und diese wird dann von allen akzeptiert.

Die Beziehungen unter den Gleichaltrigen

Vergleichen sich Kinder einer Altersstufe miteinander, erkennen sie individuelle Unterschiede und lernen, sich dabei selber besser einzuschätzen. Für die Persönlichkeitsentwicklung ist es auch wichtig, sich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen.

Wir sind alle Blätter an einem Baum keins dem anderen ähnlich, das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch alle gleich wichtig dem Ganzen.
Gotthold Ephraim Lessing
Konfliktbegleitung

Konflikte sind notwendige Bestandteile sozialer Beziehungen und haben natürlich auch im Kindergarten ihren Platz. Wir geben den Kindern hiermit ein wichtiges Lernfeld, das bei der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen eine entscheidende Rolle spielt. Kinder benötigen Handlungsspielräume, um sich darin zu üben.
Uns Erzieherinnen fällt dabei die Rolle von Moderatorinnen zu. Wir geben den Streitenden den Rahmen, einander zuzuhören, um gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Unsere Unterstützung erfolgt durch aufmerksames Zuhören und genaues Hinschauen. Erst dadurch können Fähigkeiten und Interessen der Kinder differenzierter wahrgenommen werden. Jeder der Streitenden sollte hierbei seine Sichtweise schildern können. Als Konfliktbegleiter fassen wir die Aussagen der Kinder zusammen und unterstützen sie, einen Konflikt konstruktiv zu lösen. So bekommen die Kinder Gelegenheit, ihre eigenen Lösungen und Ideen zu finden und auch umzusetzen. Für uns bedeutet das, nicht vorschnell einzugreifen, sondern eher zurückhaltend zu sein. Durch diese aktive Zurückhaltung bleibt das Kind der Handelnde und es wird ihm signalisiert: „Ich traue dir etwas zu. Wenn du meine Hilfe brauchst, bin ich für dich da.“
Wichtig ist, die Kinder spüren zu lassen, dass jemand an ihren Problemen Anteil nimmt und ihnen zutraut, sie zu lösen. Wir wollen damit erreichen, dass Kinder eine Meinungsverschiedenheit austragen können, ohne dabei das Gefühl zu haben, ständig nachzugeben, oder aus Hilflosigkeit schließlich Gewalt anzuwenden.
Auch ein Kind, das verletzend war, braucht Hilfe dabei, um die verursachten Gefühle und Verletzungen des anderen zu verstehen und sich einfühlen zu lernen.
Wir regen dazu an, dass die Kinder kritisch über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit nachdenken und sich des Unterschieds bewusst werden. Mit dieser Erkenntnis können sie dann Konfliktlösungen reflektieren und selbst Ideen für Lösungen entwickeln.
„Die vordringliche Aufgabe von Erziehenden ist es, Gesprächsvermittler zu sein. Der Kommunikationsstil ist entscheidend, nicht die Frage, wer Recht hat, oder wer der Schuldige ist.“

3.4.3. Körper – Bewegung – Gesundheit

Grobmotorik

Der Waldkindergarten ist für die motorische Entwicklung, d.h. für die Beweglichkeit und den Gleichgewichtssinn, das ideale Lernfeld. Die Natur ist so vielseitig und abwechslungsreich, dass jedes Kind zum Ausprobieren und Spüren seines Körpers die passende Umgebung findet: Mal ist der Boden eben und weitläufig, mal uneben und es sind Hindernisse wie Steine, Maulwurfshügel, Stöcke, Wurzeln etc. im Weg. Niederschläge und Temperaturänderungen verwandeln den Untergrund zudem einmal in ein rutschiges, dann wieder in ein vereistes Abenteuer.
Egal ob Gräben oder Pfützen zu überwinden sind, Hügel hinuntergerollt werden, es Mut kostet, einen schmalen dornigen oder glitschigen Weg zu gehen – immer werden die unterschiedlichen Bewegungen beider Körperhälften verlangt, was u.a. auch die Vernetzung beider Gehirnhälften fördert.
Der Waldkindergarten lässt die Kinder verschiedenste Raumerfahrungen machen: Wie fühlt es sich an, im hohen Gras auf der sonnendurchfluteten Wiese zu spielen? Oder im eher dunklen Wald auf Bäume zu klettern oder zu balancieren?
Weitere Erfahrungsmöglichkeiten bieten den Kindern auch eine Hängematte, Seile und eine Tellerschaukel.

Feinmotorik

Auch im Waldkindergarten haben Kinder vielfältige Möglichkeiten, die Feinmotorik zu schulen. Es beginnt schon damit, dass die Kinder lernen, sich ihre Kleidung selbst anzuziehen, Knöpfe und Reißverschlüsse zu schließen und Schleifen zu binden. Weiterhin verschließen sie ihre Rucksäcke nach dem Frühstück, um alle Utensilien wieder gut zu verpacken. Trinkflaschen werden geöffnet und verschlossen, ebenso wie Frühstücksdosen.
Malen oder schreiben kann man im Wald auch mit Stöckchen auf dem Boden, im Matsch oder im Sand.
Mit einfachem Werkzeug können Kinder sogar Buchstaben in Stöcke schnitzen. Der lehmige Boden bietet viele kreative Möglichkeiten. Kugeln oder ähnliches werden geformt und mit Hilfe von Naturmaterialien verziert. Damit einem dabei kleine Halme nicht abknicken, muss man schon geschickt sein, sich viel Wissen über die Biegsamkeit des Materials erworben haben, damit das Kunstwerk dann auch gelingt. Seile richtig zu verknoten, damit man gehalten wird, oder auch nur ordentlich daran ziehen kann, sind fast tägliche feinmotorische Übungen, ebenso wie das Basteln eines Bogens oder das Schnitzen eines spitzen Pfeils.
Wer Blumen zu einem Kranz flechten will, benötigt genauso viel Geschick wie jemand, der ein Windspiel aus Naturmaterial erstellt. Die Kinder bauen sich auch gern kleine Rindensegelschiffchen, die dann auf große Fahrt gehen, oder fädeln leere Schneckenhäuser auf.
Mit Hilfe von kleinen Stöcken werden tote Tiere umgedreht, damit man sie genauer betrachten kann, oder es wird einem Mistkäfer, der auf dem Rücken gelandet ist, wieder auf die Beine geholfen. Vogeleierschalen, die die Kinder finden, werden ebenso per Stock aufgehoben und genau untersucht.
Dieses sind nur einige Beispiele, die aufzeigen, welche Möglichkeiten sich zur Schulung der Feinmotorik im Waldkindergarten ergeben, und man merkt schnell, wie vielfältig sie sind.

3.4.4. Entwicklung kognitiver Fähigkeiten

Einen Lehrer gibt es, wenn wir ihn verstehen; es ist die Natur.
Heinrich von Kleist

Zur Entwicklung jedes einzelnen Menschen gehört ein fortwährender Lernprozess, in welchem Sinneseindrücke aufgenommen, geordnet und mittels des Verstandes in einen logischen Zusammenhang gebracht werden. Dazu entwickelt bereits das Kind abstrakte Kategorien wie wahr/falsch, Ursache/Wirkung, usw.
Es lernt allmählich, neue Sinneseindrücke und auch sprachliche Information einzuordnen und zu beurteilen. Das Kind lernt, in dem es neues Wissen erwirbt, welches auf vorhandenem aufbaut, und damit sein Urteilsvermögen (seinen “geistigen Horizont”) erweitert. Wissen, das nicht eingeordnet werden kann, ist nutzlos. Deshalb beobachten wir die Kinder genau und berücksichtigen in unserer pädagogischen Arbeit stets ihren geistigen Horizont und passen uns dem an.
Für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren ist es dabei besonders wichtig, dass die aufgenommene Information mit Sinneseindrücken korrespondiert.
(Leider entsteht für  Kinder durch zunehmende Technik im Alltag eine Lücke: Viele Vorgänge sind dort nur intellektuell verstehbar, korrespondieren jedoch nicht mit Sinneseindrücken. Die Waldpädagogik bietet hier eine gute Alternative.)

Sprache und Sprechen, Mehrsprachigkeit

Über Wahrnehmung und Bewegung nehmen Kinder ihre Umwelt in Besitz. Beides ist miteinander verbunden und wirkt sich auf die Sprachfähigkeit  aus. Eine intakte emotionale Beziehung zwischen Bezugsperson und Kind, die dem Kind Geborgenheit und Sicherheit vermittelt, gilt als Fundament für sprachliche Kommunikation. Förderlich für die Artikulationsfähigkeit ist neben den genannten Voraussetzungen auch eine entsprechend anregungsreiche Umgebung, wie beispielsweise der Wald mit seiner Vielfalt. Kinder müssen Sprache hören und anwenden können. Das sprachliche Gegenüber ist hier entscheidend.
Untersuchungen haben gezeigt, dass das Aufwachsen mit zwei Sprachen für Kinder keine besondere Belastung darstellt. Für die Identität der Familie und des Kindes halten wir es für sehr wichtig, die gemeinsame Herkunftssprache zu pflegen und zu gewährleisten, dass die Kinder sie nicht verlernen. Kinder, die ihre Erstsprache gut beherrschen, können einen differenzierten Satzbau verwenden und grammatikalisch richtige Sätze bilden. Zudem haben sie weniger Schwierigkeiten beim Erwerb einer zweiten Sprache.
Diesen Kindern untersagen wir nicht, auf ihre „Familiensprache“ zurückzugreifen, da sich in der Praxis gezeigt hat, dass sie durch die Gruppe angeregt werden und selbst das Bestreben zeigen, die deutsche Sprache zu erlernen und anzuwenden.
Bei uns gibt es keine isolierte verschulte Sprachförderung. Vielmehr findet die Aneignung neuer Begriffe im Spiel oder in Erlebnissituationen statt.
Der Waldkindergartentag wird für die Kinder unter anderem durch einen Morgen- bzw. Abschlusskreis strukturiert. Hierbei findet ein reger sprachlicher Austausch zwischen Kindern und Erwachsenen statt. Es wird sich über Erlebnisse ausgetauscht, Regeln und Tagesablauf besprochen, Lieder und Reime gelernt und Spiele bzw. Fingerspiele gespielt. Dabei entdecken die Kinder z.B., dass manche Wörter oder Namen mit gleichen Lauten beginnen. Spaß haben sie auch, wenn sie plötzlich herausfinden, dass man ähnliche Laute benutzen kann, damit sich etwas reimt. Die kleine Gruppe von fünfzehn Kindern hat den Vorteil, dass Kinder den Mut haben, sich sprachlich auszuprobieren.
Besonders wichtig ist dabei, dass die Kinder in das Erzählgeschehen eingreifen, es beeinflussen oder unterbrechen können, z.B. um Fragen zu stellen. Dies steht im Gegensatz zum Fernsehen. Häufig denken sich die Kinder selbst Fantasiegeschichten aus, oder reimen einen neuen Frühstücksspruch.
Gerade im Freispiel sind die Waldkindergartenkinder auf sprachliche Auseinandersetzungen angewiesen, da kein vorgefertigtes Spielmaterial vorhanden ist, und somit Rollenspiele im Vordergrund stehen und die Dinge benannt und beschrieben werden müssen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück hat die Gruppe Gelegenheit, Geschichten vorgelesen zu bekommen oder selber zu erzählen. Im Laufe der Waldkindergartenzeit lernen die Kinder wie nebenbei viel über den Rhythmus der Jahreszeiten. Sie erleben, wie die Tiere und Pflanzen in diesen Zyklus eingebettet sind, und wie es den Menschen dabei geht. Zum Beispiel lernen die Kinder, während der Brut- und Setzzeit ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, da sie zum Schutz der Tiere manche Gebiete nicht betreten dürfen.

Natur und Lebenswelt

Täglich staunen die Kinder über die Einmaligkeit der faszinierenden Natur mit ihren unterschiedlichen Stimmungen. So ist es z.B. ein Erlebnis, wenn uns Nebelschwaden unsichtbar machen, wenn wir die Welt in einer gefrorenen Pfütze im Winter wie durch Glas betrachten, wenn wir mit den herabfallenden Blättern tanzen oder auf einer sonnenbeschienenen Wiese herumrollen.
Ziel ist es, Kinder dafür zu sensibilisieren, den Reichtum der Natur zu erkennen und sich – im Rahmen ihres kindlichen Horizontes und der eigenen Möglichkeiten – verantwortlich zu fühlen, ihn zu bewahren. Dazu gehören auch die entsprechenden Regeln: Aus der Natur nehmen wir nur das, was wir brauchen (bzw. soviel, wie wir brauchen). Wir schnitzen nur an totem Holz. Daraus ergibt sich z.B., dass wir Pilze betrachten, aber nicht aus nichtigem Grund umstoßen.
Echter Naturschutz kann nur aus Liebe zur Natur entstehen.

Dass Kinder etwas über die natürliche Welt lernen, ist als eines der wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben zu betrachten.
(Thomas Berry, zitiert nach R. Louv: "Das letzte Kind im Wald?")

Zur Vertrautheit mit der Natur gehört auch, Pflanzen und Tiere benennen zu können. Wir betreiben keinen vorschulischen Unterricht, aber wir lassen die Kinder unsere eigene Begeisterung für die Natur spüren. Indem wir erzählen, was wir über die Natur wissen, wecken wir  auch ihr Interesse, und unser Wissen überträgt sich zwanglos. Oftmals finden die Kinder auch eigene lustige Namen für Pflanzen oder Tiere, die sie auf ihrem Weg bestaunen.

Menschen schätzen selten das, was sie nicht benennen können.
R. Louv in "das letzte Kind im Wald?"

Einen großen Teil der Kindergartenzeit verbringen die Kinder damit, sich neben anderen Denkleistungen auch physikalische Erkenntnisse anzueignen, indem sie Materialien erforschen und mit diesen experimentieren. So bedarf es einiger Erfahrung zu erkennen, ob der Ast stabil genug ist, ein Kind zu tragen, oder ob das Eis auf der Pfütze dick genug ist, dass das Kind darauf rutschen kann.

Mathematisches Grundverständnis

Ähnlich wie auch in anderen Kindertagesstätten lernen die Kinder Zahlen, Farben, Formen und Buchstaben. So zählen die Kinder morgens im Kreis, wie viele Kinder da sind und wie viele fehlen. Der angestrebte Entwicklungsschritt ist hierbei die Entwicklung einer intuitiven Vorstellung von Anzahlen (“zwei ist wenig, fünf ist mehr, ab sieben wird es unübersichtlich”), nicht das Aufsagen von auswendig gelernten Zahlwörtern in ihrer Reihenfolge.
Den Kindern fällt auch auf, wenn sie gleichfarbige Kleidung tragen. In der Natur kommen vielfältige Farben, Formen (Blätter, Blumen, …) und manchmal sogar Ziffern und Buchstaben in Form besonders gewachsener Zweige vor.

Lebenspraktische Kompetenzen

Um sich auf den Kindergartenalltag in der Natur einlassen zu können, ist es wichtig, seinen Körper kennen zu lernen und auf ihn zu achten. Dazu gehört das Wissen, mit welchem Kleidungsstück ich meine kalten Ohren schützen kann, wie ich meinen Durst stille, wo ich „Pipi“ machen kann, usw.
Im täglichen Miteinander erwacht mehr und mehr das Interesse für die anderen Kindergartenkinder und deren Bezugspersonen. So wissen die Kinder bald sehr genau, welche Oma, welches Geschwisterkind etc. Zu welchem Kind gehört.
Sind die Kinder erst einmal mit ihrer näheren Umgebung vertraut, dann haben sie die nötige Sicherheit, sich mit der Gruppe z.B. im Straßenverkehr zu bewegen, andere Kinder zu besuchen und kleine Unternehmungen mit dem Bus zu machen. Dabei lernen sie sich innerhalb von Sehnde zu orientieren und später auch in der weiteren Umgebung. (Wo wohnt wer? Welchen Bus muss man nehmen? Wie weit ist es zur Schule? …)
Die zukünftigen Schulkinder werden vom Kontaktbeamten der Polizei Sehnde im Straßenverkehr geschult. Wir unternehmen zusätzlich kleine Exkursionen in die Schulen, wobei  die Kinder ihren Schulweg und die Umgebung der jeweiligen Schule (z. B. den dazugehörigen Spielplatz) erkunden können.
Das Wissen und Umsetzen der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen gibt den Kindern das nötige Selbstvertrauen, den Übergang in die Schule problemlos zu bewältigen.
Betrachtet man die Fähig- und Fertigkeiten, die sich ein Kind im Vorschulalter aneignet, dann können wir sicher sein, dass in unserem Waldkindergarten ein „Grundstein“ gelegt wurde, auf den die Schule hoffnungsvoll aufbauen kann.
Der politischen Forderung nach Bildung kommt der Waldkindergarten im Sinne der Definition von Th. Adorno nach: „Bildung ist wissensbasiertes Urteilsvermögen.” Der Schwerpunkt liegt bei uns auf dem Urteilsvermögen.

3.5. Schulreife

In unserem Kindergarten bieten wir den Kindern einen Erfahrungsraum, der ihren Bedürfnissen nach Aktivität und selbständigem Handeln entgegenkommt. Eingebettet in eine reale Lebenswelt, ohne Reizüberflutung oder Ablenkung, können sie neugierig und mit Hingabe die Welt erobern. Sie haben viel Zeit zum Erleben, Erkennen, Be-greifen, Verstehen. Diesen konkreten Umgang mit Dingen durch das Tun brauchen die Kinder, um innere Bilder aufzubauen. Im Kontakt mit seiner direkten Lebenswelt hat es die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Für uns sind dies Grundvoraussetzungen, um überhaupt Freude und Spaß am Lernen zu entwickeln.
Wie aus unserem Konzept ersichtlich ist, bietet der Kindergarten den Kindern einen überaus großen Rahmen, um bestimmte Grundfähigkeiten zu entwickeln, die sie für die Herausforderungen des Lebens (nicht nur in der Schule) benötigen.
Unter den vielen Aspekten, die zur Beurteilung der Schulfähigkeit wichtig sind, kommt dem sozial-emotionalen, motorischen und kognitiven Bereich eine besondere Bedeutung zu.

Konkret bedeutet dies unter anderem:

  • Konflikte aushalten und regeln
  • Kompromisse suchen und eingehen
  • Sich in die Gruppe einbringen und einfügen
  • Regeln kennen und einhalten
  • Sich zurücknehmen können
  • Im Neuen und Unbekannten sich etwas zutrauen
  • Aufgaben selbständig erledigen
  • Bedürfnisse und Wünschen äußern und abwarten können
  • Sich für Neues interessieren
  • Fragen stellen und wissbegierig sein
  • Sich auf eine Sache konzentrieren
  • Farben, Formen und Symbole erkennen und benennen
  • Altersgemäßer Wortschatz
  • Sprachliche Anweisungen verstehen und ausführen
  • Gesprächsregeln beachten; erzählen und zuhören können
  • Sich im Umfeld orientieren können
  • Selbständigkeit beim An- und Ausziehen
  • Balancieren und Gleichgewicht halten
  • Körperliche Gewandtheit und Sicherheit
  • Gute Augen- und Handkoordination

3.6. Regel und Rituale

Regeln und Rituale geben Kindern und Erwachsenen Orientierung für das Verhalten und ermöglichen erst das Zusammensein. Kinder wollen Grenzen und Regeln erfahren, damit sie sich im Kindergartenalltag in Ruhe im Spiel ausprobieren können.
Wie andere Kindergärten auch, feiern wir Abschiede, Geburtstage, Fasching, Ostern und Weihnachten. Hierbei sind wir offen für alle Lebensformen und Kulturen und vermitteln ein unvoreingenommenes, wertschätzendes Interesse an fremden Werten und Normen.
Durch die Feste und Feiern ermöglichen wir Kindern mit ihren Familien Höhepunkte im Verlauf eines Kindergartenjahres. Hier wird das Erleben von Gemeinschaft und Freude mit anderen Menschen in den Vordergrund gestellt. Rückblickend schaffen sie im Leben persönliche Erinnerungswerte von großer Bedeutung.
Der Morgen- und Abschlusskreis, und wie bereits erwähnt das gemeinsame Frühstück, sind alltägliche Rituale.
Eine wichtige Kindergartenregel ist das Einhalten der sogenannten „Haltepunkte“: An Wegkreuzungen und an anderen mit den Kindern ausgesuchten markanten Stellen wird gewartet, bis die Gruppe wieder vollzählig ist. Zu den Regeln gehört auch, dass die Kinder jederzeit trinken können, während das Essen gemeinsam eingenommen wird. Selbstverständlich werden die Iso-Matte, der feuchte Waschlappen (zum Händewaschen), die Frühstücksdosen und die Trinkflasche nach dem Essen von den Kindern im Rucksack verstaut.
Weiterhin gibt es Regeln zum Schutz jedes Einzelnen. (Es wird nichts aus der Natur in den Mund gesteckt; bevor Schnitzmesser benutzt werden, wird Bescheid gesagt; es wird in Sichtweite gespielt, usw.)
Zur Achtung der Natur und ihrer Lebewesen meiden wir in der Brut- und Setzzeit bestimmte Lebensräume und gehen behutsam mit Menschen, Tieren und Pflanzen um.
Soweit die Kinder den Sinn der Regeln schon verstehen können, entwickeln und formulieren wir die Regeln aus den gemeinsam gemachten Beobachtungen und Erfahrungen heraus.
Es fällt den Kindern leicht, Regeln zu akzeptieren wenn sie den Sinn verstanden haben.
Auch auf die Einhaltung der Regeln achten die Kinder untereinander. Dabei geht es nicht um ein Über-Unter-Ordnungsverhältnis (Du bist schlecht, weil Du die Regel nicht einhältst, und ich bin besser, weil ich sie einhalte, und deshalb darf ich dich maßregeln), sondern um gegenseitige Fürsorge, die eine Folge des Sinnerfassens ist (ich achte darauf, dass du die Regeln einhältst, weil das gut für dich ist) und um Gerechtigkeitsempfinden (gleiches Recht/gleiche Pflicht für alle).
Sicherheitsrelevante regeln, deren Tragweite die Kinder noch nicht erfassen können, werden von den Erzieherinnen vorgegeben, und deren Einhaltung von ihnen überwacht.
Der Sinn und die Gültigkeit von Regeln darf auch hinterfragt werden. Ebenso wie die Regeln besprechen wir daher auch Ausnahmen mit den Kindern. Beispiel: Obwohl der “Schneckenberg” während der Brut- und Setzzeit nicht betreten werden soll, ist die Gruppe gegen Ende dieser Zeit einmal ganz leise auf einem schmalen Pfad hinauf- und wieder heruntergeschlichen. Diese Ausnahme von einer wochenlang eingehaltenen Regel wurde für die Kinder zu einem besonderen, lange erinnerten Erlebnis.
Das Ziel ist: Die Kinder lernen bewusst und souverän zu handeln – sie werden nicht “gelenkt”!
In diesem Zusammenhang ist die Abstimmung zwischen den Eltern und den Erzieherinnen besonders wichtig. Denn das Kind kann seine Vernunft nicht entwickeln, wenn sich die Bewertung von Regeln im Kindergarten und im Elternhaus unterscheidet. Zumindest muss darüber gesprochen und dem Kind so die Möglichkeit gegeben werden, die Unterschiede zu verstehen und so den scheinbaren Widerspruch aufzuheben.
Beispiel: Im Kindergarten gilt: Wir stecken nichts aus der Natur in den Mund. Beim Nachmittagsspaziergang pflücken die Eltern genau dort die Brombeeren, wo das Kind es am Vormittag unterlassen musste. Hier sind wir dem Kind eine Erklärung schuldig, warum beide Handlungsweisen vernünftig sind.
Das Gerüst an Kindergartenregeln und der Umgang damit wird daher immer wieder auch auf Elternabenden besprochen.

3.7. Wahrnehmendes Beobachten

Ein wichtiges Instrument unserer pädagogischen Arbeit ist das Wahrnehmende Beobachten. Es ist wesentlicher Bestandteil und unerlässlich. Es umfasst zwei Aspekte:
Indem wir beobachten, genau hinhören, Zeichen erkennen und zu verstehen versuchen, können wir Kinder unterstützen und ermutigen. Dabei ist ein wichtiges Element das Herstellen sinnvoller Zusammenhänge, um Ursache und Wirkung, Hintergrund und Folgen sehen und begreifen zu können. Dadurch machen wir uns ein individuelles Bild vom Kind, seinem Entwicklungsstand und seinen Bedürfnissen. Wir Erzieherinnen besprechen unsere Beobachtungen in regelmäßigen Entwicklungsgesprächen mit den Eltern.
Umgekehrt hat das wahrnehmende Beobachten auch eine Wirkung auf das Kind: Die unstrukturierte Umgebung regt das Kind an, eigenständig Dinge zu erkunden, zu erforschen und auszuprobieren. Wir Erwachsenen geben dieser Neugier und der Eigeninitiative freien Raum. Wir ordnen die Gedanken nicht, sondern lassen dem freien, unbeeinflussten Denken freien Lauf. Jedoch ist das Kind ist auch bei diesen Entwicklungsschritten auf eine Begleitung angewiesen. Es benötigt eine Bindung, eine Beziehung. Durch unsere Nähe geben wir ihm das Gefühl der Geborgenheit. Dies ist eine Gratwanderung. Das Kind soll bei seiner „Forschung“ das Wohlwollen des Erwachsenen spüren. Aber es soll sich nicht genötigt fühlen, sein Denken und Handeln an die (vermeintlichen oder tatsächlichen) Wunschvorstellungen oder Denkmuster der Erwachsenen anzupassen.

Wenn ein Kind seine angeborene Fähigkeit, zu staunen, lebendig erhalten soll, braucht es wenigstens einen Erwachsenen, der zusammen mit ihm wiederentdeckt, wie schön, aufregend und geheimnisvoll die Welt ist, in der wir leben.
Rachel Carson, zitiert nach R. Louv: "Das letzte Kind im Wald?"

3.8. Begleitung der neuen Kinder und ihrer Eltern

Eltern-Infoabend

Im Frühjahr werden die neuen Eltern von den Erzieherinnen zu einem Infoabend eingeladen. In diesem ersten Gespräch nehmen wir uns Zeit, um ausführlich die pädagogische Arbeit im Walkindergarten darzustellen und konkrete Fragen zu beantworten.

Erstgespräche

Hierbei trifft sich eine Erzieherin mit der Familie zu einem ausführlichen Gespräch über das neu aufgenommene Kind. Im Anschluss daran werden individuelle Termine für die Schnuppertage und den ersten Kindergartentag vereinbart. Bei diesen Gesprächen erfahren wir vieles über Gewohnheiten, Interessen oder Bedürfnisse des Kindes. So wird eine erste Basis für das Kennenlernen  des Kindes geschaffen.

Schnuppertag

Die neuen Kinder sammeln Eindrücke und erleben ihren ersten Waldtag in Begleitung ihrer Eltern.

Eingewöhnungsphase

Hier wird den Kindern ein entspanntes Hineinwachsen in die Gemeinschaft ermöglicht und dabei das Gefühl vermittelt: Du gehörst dazu, du bist ein Teil von uns. In Begleitung der Eltern wird behutsam eine Vertrauens- und Beziehungsbasis zu den Erzieherinnen geschaffen. Da im Vorfeld die Erstgespräche stattfanden, ist schon einiges über die Kinder bekannt, so dass angemessene Reaktionen möglich sind.
Die Eingewöhnungszeit wird ganz auf das Kind abgestimmt und geschieht in Absprache mit den Eltern Schritt für Schritt.

3.9. Kontakt zu ehemaligen Waldkindern

Wichtig ist uns, dass nach dem Abschluss der Kindergartenzeit der Kontakt zu den Kindern nicht abreißt. Die jüngeren, im Kindergarten verbleibenden sollen sehen, dass die Einschulung aus ihren Spielkameraden keine anderen Menschen macht. Das hilft, eventuell vorhandene Ängste vor der eigenen Einschulung abzubauen. Sie sollen sehen, dass die im Kindergarten gesammelten Erfahrungen und Erinnerung nicht durch die Einschulung wertlos werden, sondern dass es die Großen auch immer wieder in “ihren” Wald zurückzieht. Die ehemaligen Waldkinder sind daher willkommen, nach Absprache an dem einen oder anderen schulfreien Tag ihre alte Gruppe einen Vormittag lang zu besuchen und zu begleiten und nach Herzenslust mitzuspielen, zu matschen, zu klettern “wie in alten Zeiten”.

3.10. Gesundheit und Ernährung

Das Immunsystem der Kinder wird dadurch gestärkt, dass sie täglich unterschiedlichen Witterungen ausgesetzt sind. Für ihr Wohlbefinden ist es erforderlich, dass sie sich dem Wetter entsprechend kleiden. Zur Vermeidung von Erkrankungen hat jedes Kind einen feuchten Waschlappen dabei, der vor dem gemeinsamen Frühstück zum Säubern der Hände benutzt wird. Um Unterkühlungen zu vermeiden, sitzen die Kinder dazu auf einer kleinen Iso-Matte. Das gesunde Frühstück (keine Süßigkeiten, keine süßen Brotaufstriche) ist abfallarm verpackt. Außerdem haben die Kinder ausreichend zu trinken in geeigneten Trinkflaschen dabei. Im Sommer wird zusätzlich für trinken gesorgt, und die leeren Trinkflaschen können mit frischem Wasser aufgefüllt werden.

Blumen blühen, auch wenn keiner zuschaut. Bäume tragen Früchte, ohne zu fragen, wer sie isst.
Phil Bosmans

4. Aktivitäten

4.1. Tagesablauf

Der Tagesablauf im Waldkindergarten ist von vielen Faktoren abhängig, wie Wetterlage, Ideen und Stimmungen, Besuchern usw. Obwohl die Vormittage strukturiert sind, gleicht kein Tag dem anderen. Wer zum Hospitieren in den Wald kommt, den erwartet in etwa folgender Ablauf:

8.00 – 8.45 Uhr Beginn des Waldkindergartentages mit dem Bringen der Kinder zum Spielplatz Mozartstraße
9.00 – 9.30 Uhr innerhalb dieser Zeit gemeinsamer Morgenkreis auf dem Spielplatz mit Liedern, Finger-,Wahrnehmungs-, Kreis- oder Bewegungsspielen, Besprechung des Tagesablaufs
Ab 9.00 entscheiden die Spielbedürfnisse der Kinder oder die Witterungsbedingungen über den Zeitpunkt des Aufbruchs zum Frühstücksplatz
Anschließend Aufbruch zum Zielort (Wald, Teich, Schneckenberg …), Gelegenheit zum Stöbern und Entdecken, Zeit zum Erzählen und Kontaktknüpfen
Ca. 10.00 Uhr gemeinsames Frühstück, danach Zeit zum Geschichtenvorlesen und -erzählen, Schweigeminuten, Planung von gemeinsamen Aktivitäten
Anschließend Spiel- und Entdeckungszeit, evtl. mit kleinen begleitenden Angeboten, wie Basteln und Spielen mit Naturmaterialien, Zeit für Freispiel, Tiere und Pflanzenentdecken und -beobachten, Rollenspiele, Ausruhen, Träumen, Toben, Klettern, Bauen, Laufen, Balancieren, Verstecken, Matschen, Sammeln, Erzählen, Zuhören, Werken, Alleinsein…
Anschließend Abschlusskreis mit Liedern, Finger- und Wahrnehmungsspielen, Vorstellen der Entdeckungen und Erlebnisse
Ab 12.15 Uhr Abschlusskreis und danach Aufbruch zum Spielplatz Mozartstraße
12.45 – 13.00 Uhr Abholzeit auf dem Spielplatz Mozartstraße

4.2. Angebote und Ausflüge

Im Waldkindergarten macht die Natur die Angebote, die Kinder lassen sich davon inspirieren. Die Angebote der Natur sind so abwechslungsreich und vielfältig, dass sie die Kinder in der Freispielphase zu intensiven Rollenspielen, die viel Einfallsreichtum und Gestaltungskraft fordern und fördern, einladen. Auch die Angebote der ErzieherInnen stehen immer unmittelbar im Zusammenhang mit der Umwelt und der Situation der Kinder (z.B. das Markieren eines Weges mit Naturmaterialien als Orientierungshilfe oder das Anbieten eines Bewegungsspiels bei kalter Witterung). Außerdem ist uns wichtig, dass die Kinder auch außerhalb des Waldes Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln. Dazu zählt auch, dass uns andere Kinder und Erwachsene im Wald besuchen, oder der Waldkindergarten Ausflüge zu verschiedenen Einrichtungen oder Personen unternimmt. Beliebt sind Besuche bei den Waldkindergartenkindern in deren Zuhause, da sie den Kontakt der Kinder untereinander erleichtern.
Wichtig ist uns bei allen Kontakten und Unternehmungen, dass diese immer mit der Lebenssituation der Kinder zu tun haben!
Beispiel: Zum Entsetzen der Kinder befuhr ein Mopedfahrer in der Brut und Setzzeit „ihren“ Schneckenberg. Da die Kinder aus Rücksicht auf die Tiere auf dieses Spielgebiet lange verzichtet hatten, konnten sie diese Rücksichtslosigkeit nicht hinnehmen, so dass ein Besuch bei der Polizei in Sehnde fällig war. „Auf den Geschmack gekommen“, wurde kurze Zeit später noch die Lehrter Polizei besucht.

4.3. Programme

Der Tagesablauf und die Aktivitäten in unserem Kindergarten folgen keinem „Programm”. Die Aktivitäten ergeben sich aus der Situation heraus. Wir machen keine gezielte „Vorschulpädagogik”. Unsere in diesem Konzept beschriebene pädagogische Arbeit beinhaltet schon alles, was im Normalfall zur Erlangung der Schulfähigkeit notwendig ist. Sollten darüber hinaus im Einzelfall gezielte Maßnahmen ratsam sein, so besprechen wir das mit den Eltern des betroffenen Kindes.

5. Elternarbeit

Der Waldkindergarten wurde von Eltern initiiert und bleibt nur durch die Mitarbeit der Eltern bestehen, da der Verein „Waldkindergarten Sehnde e.V.“ der Träger der Einrichtung ist. Nicht nur finanziell tragen sie einen großen Teil des Projekts, auch durch die Elterndienste beteiligen sie sich am reibungslosen Kindergartenbetrieb. Zu den Elterndiensten zählen organisatorische Aufgaben, der Bauwagendienst („alles in Schuss halten“), der Fotodienst (das Ordnen der Kindergartenfotos), das Gestalten der Internet-Seite, die regelmäßige Begehung des Waldes, insbesondere auch nach Stürmen, zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit, die Öffentlichkeitsarbeit, der Schaukasten in der Mittelstraße. Die Eltern schreiben die Vereinszeitung „Waldblatt“, die auch die entfernteren Freunde und Förderer des Waldkindergartens an den aktuellen Entwicklungen teilhaben lässt.
Außerdem gibt es zwei ElternvertreterInnen, die den Elternbeirat bilden und die Verbindung zwischen Eltern, Team und Vorstand gewährleisten.
Damit die Zusammenarbeit im Waldkindergarten zwischen den ErzieherInnen und den Eltern gelingt, ist es unerlässlich, regelmäßig Informationen auszutauschen (z.B. über die Entwicklungsgeschichte des Kindes, bei Krankheit des Kindes oder seitens der ErzieherInnen Mitteilungen zum Tagesgeschehen und über geplante Aktivitäten). Zum Informationsfluss dienen uns die regelmäßig stattfindenden Elternabende, schriftliche Infos an der Bauwagen-Pinnwand und Einzelgespräche beim Bringen und Abholen. Nach Absprache besteht die Möglichkeit, im Waldkindergarten zu hospitieren.
Weiterhin unterstützen die Eltern die Kindergartenarbeit, indem sie Vorbereitungen mit den Kindern für geplante Aktivitäten treffen (z.B. Zubereitung des Frühstücks für die Faschingsfeier). Gibt es gelegentlich Ausflugsziele, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, richten die Eltern Fahrdienste ein. Bei Naturerlebnisfesten braucht der Waldkindergarten die Unterstützung der Eltern, um die Einrichtung Interessierten in der Öffentlichkeit vorzustellen.
Im Interesse einer ganzheitlichen Erziehung ist ein Miteinander wünschenswert, bei dem der Natur- und Umweltschutzgedanke auch zu Hause gelebt und unterstützt wird. Um die konzeptionelle Arbeit sichtbar zu machen, setzen wir uns an Elternabenden „Stück für Stück“ mit ihr auseinander.

Elterndienste

Die Eltern organisieren reihum einen Bereitschaftsdienst. Falls eine Erzieherin unvorhergesehen ausfällt und kein Fachpersonal als Ersatz zur Verfügung steht, geht ein Elternteil als zweite Aufsichtsperson mit der anderen Erzieherin in den Wald.

6. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen

Der Elternverein ist Mitglied in der Kinderladen-Initiative Hannover e.V., im Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten und hält darüber hinaus persönlichen Kontakt zu anderen Waldkindergärten. Der Verein unterhält eine Homepage im Internet, die über Links mit anderen Waldkindergärten vernetzt ist.
Zur Einhaltung des Kindertagesstättengesetzes und der Hygienevorschriften steht der Verein im Kontakt zum Gesundheits- und Landesjugendamt. Außerdem hat die Elterninitiative Verbindung zur Unteren Naturschutzbehörde, den Jägern und Waldbesitzern, der Agentur für Arbeit und PolitikerInnen.
Die ErzieherInnen begrüßen auch den Kontakt zu anderen Kindertagesstätten. Um den Kindern den Übergang zwischen Kindergarten und Schule zu erleichtern wird ein reger Kontakt zu den Grundschulen der Stadt Sehnde angestrebt. Es finden z. B. Exkursionen in den Schulen und Gespräche mit dem zuständigen Lehrer  oder den Direktoren statt.
Mit der Stadt Sehnde hat der Trägerverein einen Betriebsführungsvertrag geschlossen. Dieses Konzept ist in der jeweils gültigen Form Vertragsbestandteil.

7. Schlusswort

Das Wichtigste, was man Kindern mitgeben sollte: Wurzeln und Flügel
Johann Wolfgang von Goethe

Unser pädagogisches Konzept entwickelt und verändert sich mit den Bedingungen und Gegebenheiten des Waldkindergartens und den Menschen, die daran beteiligt sind. Das Konzept unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung entsprechend dem Bildungs- und Erziehungsauftrag für Tageseinrichtungen des Niedersächsischen Kultusministeriums.
Dieses Konzept bildet die inhaltliche Grundlage der pädagogischen Arbeit in unserem Kindergarten. Es ist in seiner jeweiligen Fassung verbindlich für Erzieherinnen, Eltern und Trägerverein. Das Konzept gibt einen Rahmen für die erzieherische Tätigkeit vor; über die konkrete, tägliche Umsetzung entscheiden die Erzieherinnen. Sie erläutern die verschiedenen Aspekte des Konzeptes auf den regelmäßigen Elternabenden.
Dieses Konzept wurde am 23.7.2014 vom Vereinsvorstand beschlossen. Es tritt mit dem Kindergartenjahr 2014/15 in Kraft und gilt so lange, bis ein neues Konzept beschlossen wird.